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Chance. Choice. Commitment.

 
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Empowerment

 „Der Begriff „Empowerment“ bedeutet Selbstbefähigung und Selbstbemächtigung, Stärkung von Eigenmacht, Autonomie und Selbstverfügung. Empowerment beschreibt Mut machende Prozesse der Selbstbemächtigung, in denen Menschen in Situationen des Mangels, der Benachteiligung oder der gesellschaftlichen Ausgrenzung beginnen, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen.

 

Prozesse, in denen sie sich ihrer Fähigkeiten bewusst werden, eigene Kräfte zu entwickeln und ihre individuellen und kollektiven Ressourcen zu einer selbstbestimmten Lebensführung nutzen zu lernen.


Empowerment - auf eine kurze Formel gebracht - zielt auf die (Wieder-) Herstellung von Selbstbestimmung über die Umstände des eigenen Alltags. Dazu gehören z.B. die Fähigkeit, aus der bunten Vielfalt der möglichen Lebensoptionen auswählen und eigenverantwortete Entscheidungen für die eigene Person treffen zu können; die Fähigkeit, für die eigenen Bedürfnisse, Interessen, Wünsche und Phantasien aktiv einzutreten und bevormundenden Übergriffen anderer in das eigene Leben entgegentreten zu können. Sowie die Erfahrung, als Subjekt die Umstände des eigenen Lebens (Selbst-, Sozial- und Umweltbeziehungen) produktiv gestalten und erwünschte Veränderungen ‚in eigener Regie‘ bewirken zu können (die Erfahrung von Selbstwirksamkeit und Gestaltungsvermögen). (…) Der Rückgriff auf das positive Kapital dieser Erfahrungen macht es Menschen möglich, sich ihrer Umwelt weniger ausgesetzt zu fühlen und Mut für ein offensives Sich-Einmischen zu sammeln. Solche positiven Lebenserfahrungen aber, in denen Menschen Sicherheit und Selbstwert finden, entfalten eine bemächtigende Kraft.“1


Bereits Paulo Freire verfolgte mit den Grundzügen seiner „Pädagogik der Unterdrückten“ das Ziel, Menschen von der Objektivität in die Subjektivität zu bringen. Ausgangslage des Menschseins sei nämlich die Humanisierung. „Der Mensch nimmt die Missstände der Welt, in der er lebt, nicht nur wahr, sondern er kann sie auch kritisch reflektieren. Er ist in der Lage, Lösungen für seine Probleme zu suchen. Freires Ziel ist es, dass die Bevölkerung diese Bewusstseinsstufe erreicht.“ (Jutta Lütjen-Menk, Empowerment und Befreiungspädagogik; S.1)2


Für den Sozialdienst katholischer Frauen e.V. Berlin ist es ebenfalls von großer Bedeutung, dass die Grundsätze der Pädagogik der Befreiung in engem Zusammenhang mit denen der Theologie der Befreiung stehen. Auch in der Befreiungstheologie geht es darum, Menschen zu ermutigen, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und vom Objekt zum Subjekt zu werden. Nach dieser Auffassung gehören die bis dahin Marginalisierten (z.B. Arme) in die Mitte von Theologie, Kirche und Gesellschaft. Dazu gehören in unserem Kontext auch Wohnungs- und Obdachlose.